Portrait: Mademoiselle Pfingstspatz

Heute geht’s zu Marina und ihrem Ladencafé mit dem ungewöhnlichen Namen „Extrawurst“.

Mmmmh, riecht Ihr auch schon den frisch gebackenen Kuchen?

Geburtstagsportrait farbenmix

  Hallo, stelle Dich bitte kurz vor. Wer bist Du? Hallo, mein Name ist Marina, ich bin 31 Jahre alt, werde ganz bald unter der Haube landen, was nach 14 Jahren Bratkartoffelverhältnis und einer Tochter, die in ungeordneten Zuständen aufwachsen muss, ja mal Zeit wurde. 😉 Wir Drei leben mit unserem Kater und 12 Hühnern in dem Haus, in dem ich meine ersten drei Lebensjahre bereits verbracht habe, nahe am Waldrand neben den Weinbergen in der Nähe von Trier. Außerdem bin ich besessen von der Handarbeits- und Handwerkssucht und verzichte deswegen sehr gerne auf die ein oder andere Stunde Schlaf und ein blitzblankes Wohnambiente.

Was bietest du an? Wann hast du dich selbstständig gemacht? Zu Beginn meiner Selbstständigkeit mit meinem Label „vom Pfingstspatz“ im Januar 2011 bestand mein Angebot in meinem Onlineshop hauptsächlich aus kleinen genähten Einzelstücken, wie Broschen, Täschchen und Accessoires für Kinder. Heute sieht alles etwas anderes aus. Seit Juni diesen Jahres arbeite ich in meinem eigenen „Ladencafé Extrawurst“, in dem es täglich frischen, von mir selbstgebackenen Kuchen zu verschnabulieren gibt. Außerdem findet man ein kleines, aber feines Angebot von Stoffen und Kurzwaren, wöchentlichen Nähkursen und samstäglichen Nähkränzchen für Kinder & Erwachsene. Selbstsgenähtes und -designtes sind natürlich immer noch ein großer Bestandteil meiner Arbeit, denn das Selbermachen steht für mich immer noch an oberer Stelle. So kam es in den letzten Jahren auch zu den inzwischen 8 Ebooks, die unter anderem über Farbenmix vertrieben werden und einige Webbänder, die nach meinen Entwürfen entstanden sind. Mein Antrieb ist schnell durch meine nie schlafende Abteilung meines Kopfes erklärt, die für Anliegen wie „ Das hätte ich gerne – das muss man doch irgendwie selber machen können!“ zuständig ist. Selbstverständlich spielt meine Liebe zu schönen Stoffen und Gegenständen, vor allem denen, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, eine große Rolle.

Hast Du einen Blog, bzw. bist Du irgendwo in den SocialMedia vertreten? Wo finden dich deine Kunden? Ich bin mehrfach im Internet vertreten: Mein BlogFacebookInstagram und mein DaWanda-Shop.

Vervollständige bitte folgende Aussage: – Nähen, Stoffe, mein Gewerbe bedeuten für mich…. Neben meiner für mich unvergleichbaren kleinen Familie und meinen lieben Freunde meine Zufriedenheit, mein Glück und das Gefühl, den richtigen Draht zu meinem Herzen gefunden zu haben.

Was waren deine ersten Schritte in die Nähwelt? Daran kann ich mich noch ziemlich gut erinnern. Ich muss so ungefähr zwölf Jahre alt gewesen sein und saß an der Nähmaschine meiner Mutter. Diese Maschine lehrte mich damals schon, dass man diese Wesen unbedingt als Freund betrachten soll und sich kümmern muss. Mama´s Maschine lief meistens nämlich nur, wenn man ihr gut zuredete und nach einer guten Portion Öl 😉 Jedenfalls habe ich auf diesem „Höllengerät“ meine erste Patchworktasche genäht. Sie bestand aus zusammenerbettelten Stoffresten aus der Schatzkiste meiner Mutter und wurde schlichtweg komplett ohne Plan und Kenntnisse, aber mit großem Begehren und Willensstärke genäht.

Warum hast du dich selbstständig gemacht? Weil das so sollte, das habe ich einfach gespürt. Geburtstagsportrait farbenmix

  Wie hast du den Mut dazu gefunden? Ach, an Mut hat es mir in meinem ganzen Leben noch nicht gefehlt. Wenn ich einmal etwas im Kopf habe, dann möchte ich es auch realisieren. Oder wenigstens die Erfahrung erleben, es versucht zu haben. Bei meinem meinem Vorhaben „Ladencafé Extrawurst“ waren es letztendlich einige glückliche und weniger glückliche Umstände und Zufälle, die mich im Mutigsein sehr unterstützt haben.

Hattest du Vorbilder oder jemanden, der dich unterstützt hat? Den Traum vom eigenen Laden träumte ich schon viele Jahre. Mir schwebte dabei immer ein inspirierender, generationsübergreifender Begegnungsort vor. Als in diesem Jahr dieser Traum immer greifbarer wurde, habe ich das selbstverständlich mit meiner Familie und meinen Freunden besprochen. Und von Allen habe ich ausschließlich großen Zuspruch erfahren, der mich in meiner Entscheidung sehr getragen und unterstützt hat.

Wie hat sich deine Selbstständigkeit entwickelt? Wie bei vielen Nähdamen begegnete mir während der Schwangerschaft mit meiner Tochter 2009/2010 diese geballte bunte Ladung Eindrücke der DIY Community und ich habe mich genau dort so richtig und wohl gefühlt. Ich hatte endlich den perfekten Ausgleich neben Mamasein, Familienalltag und meiner sehr anstrengenden und fordernden (und unkreativen ;)) Arbeit als Altenpflegerin gefunden. Durch meinen recht flexiblen Arbeitsalltag (Schichtarbeit…) konnte ich mir immer wieder Freiräume in meinem Nähuniversum gönnen, wenn das Kind schlief und ich selbst nicht schlafen musste. In dieser Zeit sind neben Kleidungsstücken für meine Tochter, Geschenke für Freunde & Familie auch das erste von acht Ebooks (Wichtelkindermütze & Beanie Böhnchen) bei farbenmix enstanden, so dass ich Anfang 2010 den Schritt in das Kleingewerbliche Unternehmen wagte. Innerhalb von zwei Jahren kamen immer mehr Auftragsarbeiten, Marktteilnahmen und das Angebot von Nähkursen in meiner Heimat hinzu. All das hat mich sehr bestärkt und ich bekam das Gefühl, auf dem richtigen, auf meinem Weg zu sein. Dazu gehörte letztendlich auch, meinen Hauptberuf als Altenpflegerin an den Nagel zuhängen.

Was ist für dich das schöne an der Selbstständigkeit, was ist eher belastend? Das Schönste an der Selbstständigkeit ist definitiv die Verantwortlichkeit für mein Tun. Ich kann endlich die Fäden, die ich in den Händen halte, optimieren und überdenken, so lange, bis ich zufrieden bin. Das war immer mein größtes Problem in meinem alten Arbeitsleben – ein mundloser Darsteller zu sein. Das ist einfach nichts für mich und wird mir hoffentlich auch nie wieder über den Weg laufen müssen. Heute ärgere ich mich nur mit kleinen, unwichtigen Dinge rum, wie die Papierstapel, die sich nicht über Nacht selbstständig in Ordner einsortieren und dass das Geld immer noch nicht für eine Putzfrau ausreicht. Aber das kann ja alles noch werden. Beinahe den ganzen Tag kreativ sein zu dürfen, entstehen zu lassen, Positives erleben und zu teilen und dieses besondere Stückchen Freiheit, das ist ein sehr wertvoller Teil meines Glücks. Geburtstagsportrait farbenmix

  Wie sieht dein Tagesablauf aus? Irgendwann zwischen 6.30 und 7.00 Uhr beginnt der Tag, meine Tochter und ich verlassen meistens gegen 8.00 Uhr das Haus und ich bringe sie in den Kindergarten, der sich praktischerweise gegenüber des Ladens befindet. In der Zeit bis zur Ladenöffnung um 11.00 Uhr, backe ich jeden Morgen einen Kuchen, mache im Café alles hübsch, erledige den Bürokram, pflege meinen Blog und Onlinekontakte und dann bleibt noch  Zeit für die Näherei. Wenn ich im Café nicht gebraucht werden, entweder, weil gerade niemand da ist, oder weil sich  die Anwesenden auch prima ohne mich unterhalten, dann verschwinde ich wieder an die Maschinen. Zwischendurch berate ich Kunden, die auf der Suche nach Stoffen sind, Lust auf  Nähkurse oder Nähkränzchen haben oder diejeniegen, die sich für meine genähten Sachen interessieren. Am späten Nachmittag gegen 17.30 Uhr sperre ich die Ladentür zu, und freue mich über einen zufriedenen Feierabend oder gönne mir ein kurzes Verschnauffpäuschen bis zum Beginn der Abendkurse um 18.30 Uhr mit der Dauer von 2,5 Stunden. Samstagsmorgens ist das Ladencafé Extrawurst nur vormittags geöffnet, nachmittags finden meistens (zwei bis drei mal monatlich) die Nähkränzchen statt. Hierbei ist Nähen unter gemütlichen Bedingungen angesagt. Es wird nach Belieben an verschiedenen Projekten genäht und zwischendurch gibt es Kaffee und Kuchen, wie es sich für ein ordentliches Kränzchen gehört. Meine Arbeitstage sind an manchen Tagen sehr lange, aber im Vergleich zu meinem glücklicherweise der Vergangenheit angehörigen alten Arbeitsleben in der Altenpflege bin ich der glücklichste Mensch auf Erden mit all diesen „Mehrarbeitsstunden“.

Was ist das Besondere an deinen Produkten/Kursen, womit begeisterst du deine Kunden? Ach, so was ist immer schwer zu sagen. Ich vermute dahinter vielleicht eine gewisse Neugier an meiner Person, weil ich hier in der Provinz wohl doch ziemlich schräg und bunt rüberkomme, was ich durchaus auch bin. Das sticht raus, lockt so manch eine/n aus der Reserve und wirkt ansteckend, was mir wiederum sehr gefällt. Ansonsten gefallen meine Produkte mit ihrer gewissen Prise Humor, wie die Brille für alle Fälle zum Beispiel. Oder aber Klothilde, die freundliche Klodame, die mir letzten Sommer in den Sinn kam, entzückt die Besucher des Ladencafés. Außerdem, ganz pragmatisch betrachtet, ist mein Ladencafé Extrawurst hier in der Gegend einmalig. Es ist schön zu sehen, dass vielen Besuchern nach dem ersten Kaffee und dem Gefühl noch gar nicht weiter ziehen zu wollen, aber zu müssen…, die eigenen Extrawurstbedürfnisse erst bewusst werden. Geburtstagsportrait farbenmix

  Welche anderen Näh-Ladies inspirieren Dich bzw. magst Du besonders? Ich mag am liebsten die mit der gewissen Note. Namen/Damen, die man sich sofort einprägt, weil man bleiben möchte. Weil es interessant ist, weil man hier ein Gesicht, einen Standpunkt, eine Geschichte gefunden hat. Weil es berührt. Und es gibt viele. So viele, die mir im echten Leben nie und nimmer über den Weg gelaufen wären. Über diese Bereicherung freue ich mich täglich.

Was magst du ganz besonders an deinen Kunden? Definitiv den allerersten Schritt in den Laden. Meistens ist er mit so viel Entzückung verbunden, so dass ich so viel Gutes aufsaugen kann. Das ist pures Seelengestreichel für die harte, monatelange Arbeit, die ich in den Laden vor der Eröffnung gesteckt habe und die Zweifel, die selbstverständlich hin und wieder auch an die Ladentür anklopfen. Die Einrichtung des Ladens, die größtenteils selbstgebaut ist, ist schon eine Augenweide, auf die ich sehr stolz bin. Mit Hilfe von zwei lieben Damen sind an die 50m² unbehandeltes Holz verarbeitet worden, wir haben die Wände damit verkleidet, die Theke, Regale und das Schaufenster gebaut. Alle anderen Möbelstücke habe ich auf etlichen Flohmarktstreifzügen ergattert und ihnen ein neues Gesicht verpasst. Eine wochenlange Knochenarbeit war das Ganze. Aber es hat sich gelohnt und nun habe ich den schönsten Arbeitsplatz auf Erden 😉

Wie siehst du die Perspektiven deiner Selbstständigkeit, was sind deine Ziele? In Sachen Design möchte ich sehr gerne zusätzlich weitermachen. Außerdem pflege ich ja diese bestimmte Abteilung in meinem Kopf und die gibt so schnell wohl auch keine Ruhe, ich muss da noch was machen.

Welches ist dein persönliches farbenmix-Lieblingsprodukt? In meinen Kursen sind definitv „Shelly“, „Helgoland“ und „Amelia“ die absoluten Renner. Privat nähe ich „Kanga“ und meine eigenen Schnitte „Resi & Hannes“, „Für Schneemänner & Skihaserl“ & die „7MeilenSchlüffis“ sehr gerne. Geburtstagsportrait farbenmix

  Was du sonst noch loswerden möchtest… Ich hätte da ein großes DANKE, was hierhin gehört. Das geht an euch, liebes Farbenmixteam, dass ihr mich von Anfang an unterstützt habt und für all die Möglichkeiten, die durch euch in unserem Nähparalleluniversum herumschwirren und nur eingefangen werden möchten. …an meine lieben Kunden & Nähkursdamen …an meine Mädels da draußen. Dafür, dass ihr mir immer wieder meinen roten Faden reicht, wenn ich ihn wieder verloren habe. …an Nina & Theresia …an meine liebe Catharina, für Tatkraft, Schulter, Lachen. …an meine beiden Schätze ♥

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag farbenmix!

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