Portrait: Bellis Kindermode

Portrait farbenmix Hallo, stelle Dich bitte kurz vor. Wer bist Du? Was bietest du an? Hallo, ich bin Claudia. Spitzname: Belli (weil in meiner Kindheit kein Gänseblümchen *bellis* vor mir sicher war!) Auf dem Papier bin ich „Alleinunternehmerin in den Bereichen Fertigung von Kinderbekleidung und Accessoires, Erteilung von Nähkursen, Verkauf von Stoffen und Nähzutaten“. Ich finde, dass sich das aber alles sehr trocken und bürokratisch anhört.

Darum beschreibe ich mich selber lieber so: Ich (38 Jahre) bin Mädchen, Frau, Ehefrau, Mutter einer 15 Monate alten Tochter, Freundin, Selbermacherin. Und mittlerweile bin ich glücklich sagen zu können: mein Beruf ist mein Hobby – mein Hobby ist mein Beruf! Mein Lebensmittelpunkt ist, neben meiner kleinen Familie, mein Atelier auf Gut Heimendahl in Kempen, in dem ich fast täglich (immer gemeinsam mit meiner Tochter, der kleinen *Belli*) meine Kunden empfange und betreue, an der Nähmaschine sitze, anderen Mädels das Nähen beibringe oder auch gerne einmal in einer ruhigen Minute auf dem Sofa vor dem Kamin entspanne.    

Hast Du einen Blog, bist Du irgendwo in den SocialMedia vertreten? Meine Kunden können mich an diesen Orten online antreffen: www.bellis-kindermode.de https://www.facebook.com/pages/Bellis/126482730741297 http://bellis-kindermode.blogspot.de/

Vervollständige bitte folgende Aussage: Nähen, Stoffe, mein Gewerbe bedeuten für mich… …viel Spaß, aber auch  harte Arbeit. Viele glückliche Momente, aber auch so manche Träne. In erster Linie bedeutet es mir aber, dass ich einen Traum verwirklicht habe, den ich nun leben darf.     Portrait farbenmix

Was waren deine ersten Schritte in die Nähwelt? Bei uns zu Hause wurde Kreativität schon immer ganz groß geschrieben. Egal, ob Malen, Basteln, Häkeln, Stricken oder Nähen… ich glaube, es gab in diesen Bereichen nichts, das ich als Kind nicht gerne gemacht habe oder das von meinen Eltern nicht gefördert wurde. Wenn andere Kinder den Handarbeitsunterricht in der Schule am liebsten geschwänzt hätten, habe ich mich immer die ganze Woche auf diese eine Stunde gefreut und war immer mit ganzem Herzen bei der Sache. Als Jugendliche verlief sich dieses Interesse dann ein wenig, hatte man doch neben den „wichtigen“ Dingen des Lebens auch anderes im Kopf. Natürlich haben sich meine Interessen zu diesem Zeitpunkt nicht um 180° gedreht, der Kunstunterricht in der Schule war mir immer noch das liebste Fach. Aber es gab eben auch die Zeit außerhalb der Familie zusammen mit Freunden, die plötzlich einen anderen Stellenwert bekam.

Doch mit dem Ende der unbeschwerten Schulzeit und dem Beginn meines Studiums habe ich die Kreativität und die damit verbundene Liebe zu individueller und fröhlich bunter Kinder- und Damenbekleidung wiederentdeckt. Wiederentdeckt, weil ich mich noch gut daran erinnern kann, dass auch früher schon meine Lieblingsteile immer bunt und vor allem selbstgemacht waren. Eine bunte, selbstgenähte Pumphose von der Oma, ein gestrickter Pullover von der Mama: was für andere Kinder total uncool war, war für mich immer etwas ganz Besonderes! Und diese Leidenschaft für das Besondere habe ich mir, gepaart mit ein bisschen kindlicher Naivität, bis heute bewahrt und versuche bis heute jeden Tag in meinem Atelier, diese Leidenschaft an meine Kunden weiterzugeben.

Warum hast du dich selbstständig gemacht und wie hast du den Mut dazu gefunden? Mein Weg in die Selbständigkeit begann eigentlich schon während des manchmal doch sehr trockenen und zähen Bekleidungstechnik-Studiums. Oft habe ich den Worten der Professoren gelauscht, die immer davon berichteten, dass sie stolz sind auf ihre Absolventen, die bei großen Modeunternehmen in den Designabteilungen arbeiten und für die kommenden Saisons an ihren PCs viele verschiedene Grundschnitte mit tollen neuen Taschenformen, Reißverschlusslösungen, Knopfvarianten etc… versehen und so die Kollektionen gestalten. Und mir wurde immer klarer: das möchte ich eigentlich nicht! Wo bleibt denn da die Kreativität, die Farbe, die Freude an der Arbeit?

Also habe ich begonnen mein Hobby *Nähen* zu nutzen, anderen eine Freude zu machen. Es wurden sämtliche Kinder im Freundeskreis mit bunten, selbstgemachten Sachen beschenkt und mit der Zeit sprach es sich herum, dass ich ja die bunte Nähtante bin, die auf Wunsch Dinge, die nicht jeder trägt, anfertigten kann.

Es kamen immer mehr Anfragen von Kunden, das spornte mich an, genauso weiter zu machen und ich eröffnete kurzerhand meine kleine „Flurboutique“. Der Flurbereich unserer damaligen Wohnung wurde mit Regalen und Kleiderständern liebevoll hergerichtet und meine selbstgenähten Sachen fanden ihren Platz darin. Es wurde eine kleine Homepage erstellt und dann ging es auch schon los: Gewerbeanmeldung, Behördenkram… und ganz viel Spaß am Nähen!

Hattest du Vorbilder oder jemanden, der dich unterstützt hat? Wie hat sich deine Selbstständigkeit entwickelt? Nach einiger Zeit wurde der Platz in unserer Wohnung einfach zu klein und die Kundenzahl zu groß, so dass ich ernsthaft begann darüber nachzudenken, ein kleines Ladenlokal anzumieten. Kaum war dieser Gedanke ausgesprochen, wurde ich von meinem Umfeld doch ziemlich belächelt: „Na ja, ein paar Teile von zuhause aus verkaufen, das ist ja ganz nett… aber ein eigenes Geschäft? Du glaubst doch nicht wirklich, dass das funktionieren wird?“ Doch! Ich habe daran geglaubt. Ich habe an meiner Vision festgehalten und mein kleines kreatives Reich in Form eines Ateliers vor vier Jahren aufgebaut und eröffnet.

Unterstützung und Zuspruch bekam ich in dieser Zeit von meinem Mann, der mich immer wieder vorantrieb und mir mehr als nur einmal auch die aufkommenden Zweifel an meinem Vorhaben nehmen konnte. Er hatte ja Recht: ich hatte nichts zu verlieren. Das angemietete Atelier war finanziell tragbar, auch wenn es nicht gut laufen würde. Also machten wir uns an die Arbeit und richteten meine anfangs noch bescheidenen 35qm in einer alten Scheune auf einem nahe gelegenem Gutshof verkaufstauglich her. Beim nötigen Startkapital griffen mir zusätzlich zu dem, was ich gespart hatte, meine Eltern unter die Arme. Die Eröffnung war, dank der Hilfe vieler Freunde, ein voller Erfolg und ich hatte das Glück, dass man hier bei uns anscheinend nur auf so ein kleines Lädchen wie meins gewartet hatte. Die Kundenzahl wuchs stetig, die Auftragsbücher wurden voller. Ich begann, jeden Cent, den ich verdiente, in weitere Ideen und Projekte zu stecken. Ganz besonders stolz bin ich auf die Ateliererweitung seit Mai diesen Jahres. Aus meinen anfänglichen 35qm sind nun stattliche 75qm geworden und nun habe ich endlich ausreichend Platz, in meinem neuen Kursbereich allen Teilnehmern einen eigenen, großzügigen Arbeitsplatz während meiner Nähkurse und Workshops anzubieten.   Portrait farbenmix

Was ist für dich das Schöne an der Selbstständigkeit, was ist eher belastend? Nun ja, eigentlich sagt es das Wort ja schon aus: man ist Selbst & Ständig! Die Selbstbestimmtheit ist zwar schön, aber auch belastend zugleich. So wie die meisten von uns bin ich viel im Netz unterwegs, habe auf unzähligen neuen Blogs gestöbert und habe mit netten, kreativen und interessanten Menschen Meinungen ausgetauscht. Denn zur Zeit kommt wohl niemand am Nähen vorbei: Nähen ist hipp, Nähen ist trendy, jeder möchte es können. Ja, man könnte den Eindruck gewinnen, wir leben in einer schönen, heilen Nähwelt… Aber wenn man ehrlich ist, sieht die Wahrheit vielleicht doch ein bisschen anders aus und auch ich habe mir so meine Gedanken darüber gemacht. Ich habe, wenn auch manchmal zwischen den Zeilen, nicht nur über Glücksmomente, sondern auch über Neid, Missgunst, Ideenklau und Zickenkrieg gelesen. Dazu möchte ich nur sagen: Wir machen doch alle das Gleiche, richten uns nach den aktuellen Trends… Ideenklau? Das Rad wurde auch nur 1x erfunden!

Ich denke, dass der Trend zum Selbermachen und die Wertschätzung des Handwerks ganz wichtige Schritte der letzten Zeit sind. Denn auch ich habe, wie viele „gewerbliche Nähtanten“ das Glück, dass für meine Kunden Beständigkeit, Qualität und auch das Herzblut, das in meinen Arbeiten steckt, zählt. Das hilft doch enorm dabei, den Alltag als Unternehmerin zu meistern. Denn leider besteht unsere Welt nicht immer nur aus Spaß am Nähen und Stöffchen streicheln! Egal ob als Kleingewerbetreibende oder umsatzsteuerpflichtige Unternehmerin, mit der Gewerbeanmeldung geht jeder von uns Verpflichtungen ein: Die Krankenkasse möchte ihr Geld jeden Monat, und da lässt sich auch nichts verhandeln. Es gibt die Verpackungsverordnung, die Gewerberechtschutz, ~haftpflicht und ~inhaltsversicherung.

Unsere Einnahmen und Ausgaben müssen jeden Monat belegt werden, damit der Gewinn ganz anständig und ordentlich mit dem Finanzamt geteilt wird. Portrait farbenmixAuch die IHK, die BG und die Handwerkskammer freuen sich über Beiträge von ihren Mitgliedern. Und wenn man kein steuerfachliches, rechtswissenschaftliches und marketingtechnisches Allroundtalent ist, benötigt man auch in diesen Bereichen Hilfe. Und so könnte ich jetzt sicher noch ein wenig weiter machen, denn: all diese Dinge (und noch viele mehr) gehören genauso in meine Welt wie das Nähen. Aber wisst ihr was? Das macht auch noch Spaß! Denn dieses Gesamtpaket ist nicht nur Beruf, sondern Berufung! Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, mutig zu sein und Verantwortung zu übernehmen, mit allen schönen, aber auch belastenden Seiten.

Wie sieht dein Tagesablauf aus? Mein Tagesablauf hat sich im vergangenen Jahr mit der Geburt unserer Tochter ziemlich drastisch geändert. Konnte ich früher einfach nur meiner Arbeit nachgehen, stundenlang an den Maschinen sitzen und meine Zeit tatsächlich frei einteilen, bedarf es heute doch einer guten Planung des gesamten Tages. Meist stehen mein Mann (auch selbständig) und ich früh auf, um noch ein paar Dinge zu erledigen, bevor die Maus die Augen aufmacht. Der weitere Tagesablauf ist dann im Vormittagsbereich erst einmal so, wie bei jeder anderen Familie in der Regel auch. Papa geht zur Arbeit, Mama bleibt zuhause.

Nach einem gemeinsamen Frühstück machen wir uns dann „atelierfein“ und schmeißen zusammen den Laden. Da ich viele Kundinnen mit kleinen Kindern im Atelier begrüße, ist hier oft ganz schön was los! In der Mittagspause habe ich dann wieder Zeit, mich an meine Maschinen zu setzen und Aufträge fertig zu stellen, denn dann schläft die kleine Belli erst einmal einen langen Mittagsschlaf. Nachmittags ist für unsere Tochter dann nach Möglichkeit wieder Papazeit und ich bin alleine im Atelier. Das heißt für mich dann, arbeiten was zu schaffen ist, Pflege des Online-Shops, Tagespost erledigen… und natürlich für meine Kunden da sein! Um 18.00 Uhr gehen im Atelier dann für die Kunden die Lichter aus, für mich aber noch nicht. Wenn wir gemeinsam zu Abend gegessen und gespielt haben, geht´s für die Maus ins Bett und für mich wieder an die Nähmaschinen.   Portrait farbenmix

Was ist das Besondere an deinen Produkten/Kursen, womit begeisterst du deine Kunden? Belli *s, das ist individuelles und buntes Gute-Laune-Design für Liebhaber besonderer Mode. Für Kinder fertige ich romantische Bekleidung zu Hochzeiten oder ausgefallene Outfits für die Taufe. Es gibt fröhlich-bunte Modelle zum Geburtstag und  Lieblingsteile für den ersten Kindergartentag oder zur Einschulung. Und damit die Mamas nicht zu kurz kommen, gibt es natürlich auch eine besondere Auswahl verschiedener Bekleidungsstücke für alle „großen Mädchen“ .

In Anlehnung an das bunte Design der Kindermodelle fertige ich hübsche Unikate für alle, die die Welt ein bisschen bunter machen möchten. Ein trendiger Damenrock im individuellen Stoffmix, ein hippes Shirt… Und passend zur Bekleidung gibt es hübsche Accessoires, die jedes Outfit komplettieren, sowie kreative und ausgefallene Geschenke, die garantiert ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Für alle Selbermacher biete ich in meinem Atelier  eine liebevoll zusammengestellte Auswahl Meterware verschiedener Stoffhersteller, Webbänder, Schnittmuster und Nähzutaten an. Ich bin bemüht, mein Sortiment stetig zu erweitern und somit noch vielfältiger zu gestalten. Bei der Auswahl meiner Stoffe verlasse ich mich nicht auf die Aussagen der Lieferanten, dass ein Stoff der absolute Verkaufsknaller ist. Ich verlasse mich auf mein Gefühl und meinen Geschmack. Und bis jetzt danken die Kunden es mir. Der beste Zuspruch den man bekommen kann, ist doch, wenn die Kunden in deinen Laden kommen und sich am liebsten stundenlang mit „Stöffchen streicheln“ beschäftigen möchten! Und das „kreative Herzstück“ für meine Kunden, der neue Kursbereich in  meinem Atelier findet immer mehr Liebhaber. Egal, ob bei den Einsteiger-Nähkursen, den Themen-Workshops, den Ferien-Workshops für Kinder oder beim offenen Atelier: bei mir ist Nähen nicht nur langweiliges Handwerk, sondern Spaß pur! Meine Nähmädels sind oft ein bunter Haufen, manchmal etwas chaotisch, aber immer mit viel Herzblut bei der Sache und so entstehen in meinen Kursen viele tolle Unikate, die stolz mit nach Hause genommen werden.

Ich glaube, es ist sehr einfach, Begeisterung für eine Sache an andere weiter zu geben. Man muss nur mit ganzem Herzen und vor allem ehrlich bei der Sache sein. So verspreche ich meinen Kundinnen keine Wunder an der Nähmaschine. Denn jeder, der sich mit dem Handwerk ein bisschen auskennt, der weiß, dass man nach ein paar Stunden Nähkurs nicht bereits eine perfekte Damenschneiderin sein kann. Ich sage meinen Kundinnen immer gerne, dass wir in den Kursen kein „Hexenwerk“ vollbringen. Vielmehr sind es einzelne kleine Teile, die jeder mehr oder weniger perfekt (je nach eigenem Anspruch) zustande bringen kann. Und meine Erfahrung ist, das sich meine Mädels in den Kursen viel mehr über einen Kissenbezug freuen, den sie liebevoll mit Applikationen versehen haben und nach 2,5 Stunden Nähkurs direkt mit nach Hause nehmen können, als über ein aufwendiges Teil, an dem man Woche für Woche nur schrittchenweise vorankommt und kein wirkliches Erfolgserlebnis sieht. Für solche aufwendigen Teile ist später, wenn man erst einmal einige Näherfahrung gesammelt hat, immer noch Zeit…   farbenmix Portrait

Welches ist dein persönliches farbenmix-Lieblingsprodukt? Ein spezielles Lieblingsprodukt habe ich nicht. Was mich vielmehr anspricht, ist die Kombination aus vielen Kleinigkeiten, die sich bei euch zu einem Gesamtpaket verbinden. Liebevoll gestaltete Webseiten, Inspirationen für eure Kunden, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, freundlicher Kundenservice, zauberhafte Webbänder, immer wieder tolle FREEbooks… das ist Farbenmix, so wie ich es kennen und lieben gelernt habe und es meinen Kunden gerne weiterempfehle.

 

Was du sonst noch loswerden möchtest… Ich hoffe, dass ich einigen mutigen Mädchen da draußen Mut machen kann, an ihre Träume zu glauben. Ich habe es getan und ich bin mittlerweile angekommen. Angekommen an dem Punkt zu sagen: ich liebe das, was ich tue. Und ich liebe meinen Mann, meine Tochter, alle meine Freunde, meine Nähmaschinen und meine Kamera, die Farbe Pink, beim Autofahren laut mitsingen. Und ich liebe Menschen mit Visionen. Ich habe den Kopf fast täglich voller Ideen, aber nur 24 Stunden am Tag Zeit. Daher wünsche ich mir manchmal, dass der Tag doppelt so lang wäre, damit ich mehr Zeit habe für all das, was ich liebe, und für Träume und Visionen…

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